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Behandlungskonzept

Ihr Therapiebegleiter

Ernährungstherapie

Das Thema Ernährungstherapie ist in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Vor dem Hintergrund zahlloser Diäten, die täglich in verschiedenen Zeitungen angeboten werden, einer überschäumenden Fitnesswelle und dem Bestreben, schlank, sportlich und dynamisch zu sein, hat die Ernährungstherapie nach wie vor Hochkonjunktur.

Ernährungstherapie einmal anders

Wenn man sich dem Themenbereich der Ernährung einmal nicht von der kalorischen Seite her nähern will muss man sich grundsätzlich mit der Bedeutung des Essens in der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Diese Bedeutung hat sich grundlegend verändert. Das Essen ist nicht mehr ein Akt der Nahrungsaufnahme, sondern hat in vielfacher Hinsicht symbolische Bedeutung bzw. kommunikativen Charakter. Durch Essen wird Sympathie ausgedrückt, ein gutes Essen verbindet, will man jemanden belohnen wird er zum Essen eingeladen oder gut bekocht, selbst die ganze Harmonie einer Partnerschaft kann gelegentlich durch die Qualität des Essens beeinflusst werden.

Bedauerlicherweise konzentriert sich die bisherige Ernährungstherapie fast ausschließlich auf den Punkt: was gegessen wird. So wird in unsäglicher Weise die Betrachtung der Kalorien, der Essenszusammenstellung, des Fettwertes, des Eiweißwertes, usw. in den Vordergrund gestellt. Kaum jemand beachtet, dass es viel wichtiger ist: warum und wie wir essen und mit wem wir essen. Dabei ist die Funktion des Essens von entscheidender Bedeutung. Wir alle kennen heute das Arbeitsfrühstück, das Arbeitsessen, selbst der Weg zu Intimkontakten führt häufig zunächst einmal über eine Einladung zum Essen. Oft ist auch in der Familie das gemeinsame Essen der letzte Ort und die letzte Gelegenheit bei der sich die Familie zusammenfindet und die einzige Möglichkeit zur Kommunikation besteht. Dabei ist diese Situation eine beliebte Gelegenheit einer direkten oder indirekten Auseinandersetzung. Fast jeder kennt aus seiner eigenen Erfahrung viele Beispiele wie wichtig es ist mit wem wir essen. Sitzen wir mit jemand am Tisch der unsympathisch ist so schmeckt das beste Essen nicht.

Das Essen und Trinken hat häufig Füllfunktion für Langeweile, Frust, Konfliktvermeidung und auch Einsamkeit, was dann häufig Übergewicht zur Folge hat.

Übergewicht ist die häufigste Ess-Störung in der Welt. Allein in Deutschland sind 40 % der Menschen übergewichtig, davon 17% fettsüchtig. Abgesehen davon, dass die Erkrankung ein Risiko darstellt aus organmedizinischer Hinsicht, ist sie für fast alle eine erhebliche psychische Belastung. Dies lässt sich aus der Umsatzsteigerung der „Diätindustrie“ entnehmen, wo allein im letzten Jahr ein Zuwachs von 100 Mio. Mark zu verzeichnen war. Insgesamt eine Umsatzsteigerung von 35%, damit viel höher als jeder andere Industriezweig.

Die Therapie der Übergewichtigen ist in fast allen Teilen der Welt immer noch ein großes Geschäft und dementsprechend gibt es auch noch viele Diätkliniken, die sich allein der Symptomatik widmen. Die Ernährungstherapie dieses Krankheitsbildes hat, wie bereits erwähnt, einen fragwürdigen Ansatz, da sie sich nur auf das was gegessen wird konzentriert. Gerade für den Übergewichtigen ist aber die zentrale Frage, warum er isst, wie er isst und mit wem er isst ungleich wichtiger, als was er isst. Die gesunde Ernährung kommt bei diesem Krankheitsbild erst an zweiter Stelle. Es geht in erster Linie um die Menge, die gegessen wird und warum so viel gegessen wird. Dabei spielt die Funktion des Essens ein ganz entscheidende Rolle.

In aller Regel ist bei den Übergewichtigen nicht nur die Nahrungszusammensetzung gestört, sondern die Essmenge. Es werden Unmengen gegessen, um die innere Leere, die Einsamkeit und anderes zu füllen. In dieser Hinsicht lässt sich in den letzten Jahren ein erschreckendes Phänomen konstatieren. Die Menschen haben immer mehr Freizeit, und wissen immer weniger mit sich anzufangen. Dieses mehr an Freizeit wird dann nicht etwa mit Bewegungsaktivitäten gefüllt, sondern mit ‘Langeweile-Essen’. Dabei werden Unmengen an Nahrungsmitteln konsumiert, die dann zu entsprechender Gewichtszunahme führen.

Bei allen Übergewichtigen ist es wichtig den Zeitpunkt des „Satt-Seins“ wieder wahrzunehmen. Dies kann in extremen Fällen so durchgeführt werden, dass neben den Teller ein leerer Zettel gelegt wird, auf dem alle Nahrungsmittel aufgeschrieben werden und nach jedem Essen ein Strich unter das jeweilig zu sich genommene gemacht wird. Dies führt dazu, dass langsamer gegessen wird und dadurch überhaupt wieder mehr Zeit bleibt um Sättigung wahrzunehmen. Außerdem wird viel bewusster gegessen und sobald die Sättigung erreicht ist, wird auf dieses Blatt ein großes „S“ geschrieben. Danach werden alle Nahrungsmittel aufgeschrieben, die trotz Sättigung zugeführt werden. Dies sind dann in der Folge die Nahrungsmittel, die als erstes weggelassen werden können.

Im Weiteren geschieht dann eine Reduktion der Nahrungsmittel durch eine sogenannte Essmengenbegrenzung. Dabei ist es nicht so wichtig, weniger Kalorien der einzelnen Nahrungsbestandteile zuzuführen, sondern insgesamt soll der Patient erlernen „seine Mengen zu begrenzen“ und wieder etwas auf dem Teller zu lassen. Viele der Übergewichtigen stammen aus Familien, wo Leitsätze wie: „Das muss alles aufgegessen werden, sonst gibt es morgen kein schönes Wetter, oder es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, oder ein Happen für Papa und ein Happen für Mama usw.“. Allgemein verbindende Parole ist dabei, dass alles, was auf dem Teller liegt aufgegessen werden muss, bei vielen Übergewichtigen hat das generalisiert und bezieht sich fast auf den ganzen Tisch. Bei der Essmengenbegrenzung wird trainiert, dass jeden Tag die gleiche Menge auf den Teller gelegt wird, aber jeden Tag etwas mehr liegen gelassen wird. Entscheidend ist dabei, dass der Patient wieder erlernt, dass er die Macht über das Essen hat und nicht das Essen über ihn.

Entsprechend des oben geschilderten Wahrnehmungstrainings ist es wichtig, eine langfristige Gewichtsabnahme zu vereinbaren. Es ist nicht das Ziel, wie in vielen Diätkliniken in 14 Tagen oder 4 Wochen rasch 20 kg abzunehmen, um sie dann entsprechend dem Jojo-Effekt innerhalb von 4-6 Wochen wieder zu zunehmen. Bei der langfristigen Gewichtsabnahme wird eine monatliche Gewichtsabnahme zwischen 2 und 3 kg vereinbart. Dies ergibt immerhin im Jahr eine Reduktion des Gewichtes zwischen 24 und 36 kg.

Diese Veränderung des Essverhaltens verläuft auf der verhaltenstherapeutischen Ebene und muss aber durch andere Komponenten ergänzt werden. Es ist außerdem wichtig die Funktionalität des Essens für den Übergewichtigen transparent zu machen. Solange jemand nicht lernt seine Defizite anders als mit Essen zu füllen, solange wird er seine Symptomatik nicht aufgegeben. Wenn jemand bspw. aus Langeweile viel isst, dann muss es zentrales Thema einer Therapie sein diesen Patienten in Eigenverantwortung dazu zu bringen seinen Tagesablauf zu strukturieren und neue Inhalte zu bilden. Wenn jemand aus Einsamkeit isst, so ist das Thema ähnlich und dies trifft für alle Bereiche zu, wo das Essen einen Kompensationsmechanismus darstellt.

Jeder Übergewichtige hat eine Vorstellung davon, wie viel er oder sie haben müsste, damit er sich wohl fühlen würde und akzeptiert werden würde. Entscheidender Schritt in der Therapie ist, dass die Akzeptanz nicht erst ab einem bestimmten Gewicht kommt, sondern jetzt schon entsteht. Erst wenn der Patient erlernt sich selbst zu akzeptieren, wie er ist, ist Gewichtsabnahme möglich. Sonst ist er in der ständigen Frustration und wird als Frustesser niemals seine Gewichtsklasse verlassen. Es wäre sehr hilfreich, wenn niedergelassene Ärzte Übergewichtige in der Bildung von Selbsthilfegruppen bestärken würden. Diese Gruppen sollten aber das Ziel haben soziale Aktivitäten gemeinsam zu unternehmen, aber auf keinen Fall darf das Gewicht zum Thema gemacht werden.

Wenn es durch diese therapeutischen Maßnahmen gelungen ist in langsamen Schritten das Gewicht zu reduzieren, die Selbstakzeptanz zu steigern und die Funktion des Essens verstehbar zu machen, kommt im nächsten Schritt die Veränderung der Nahrungsbestandteile. Natürlich ist gerade aus naturheilkundlicher Sicht eine gesunde Vollwerternährung das Ziel. Es kann aber nicht nachdrücklich genug festgehalten werden, dass diese Nahrungsumstellung erst der zweite Schritt ist. In erster Linie muss das Essverhalten verändert werden, weil man sich sonst, um es einmal deutlich zu sagen auch bei Vollwerternährung überessen kann.

Im Rahmen dieser Gesamttherapie ist gerade bei Übergewichtigen ein gezieltes Bewegungs- und Motivationsprogramm außerdem unbedingt notwendig. Es besteht nun mal ein enger Zusammenhang zwischen zu wenig Bewegung und zuviel Essen.

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